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 Sunitinib en Allemagne

Erste Erfahrungen aus Düsseldorf…

Cet article ne sera pas traduit en Francais

Interview mit Herrn Prof. Hans Jochen Schütte, Studienarzt der SU-Studie in Düsseldorf und Mitglied des mediz.-wiss. Beirates des Lebenshauses.

INFORM: Herr Prof. Schütte - wie sind Ihre ersten Erfahrungen allgemein mit der SU-Studie in Düsseldorf? Hier handelt es sich ja um eine Substanz die bei Progress gegeben wird. Wie verteilen sich bei Ihren Patienten derzeit die Dosen, nach welchen von Imatinib zu Sunitinib gewechselt wird? Die ersten Erfahrungen mit Sunitinib (Sutent®) sind recht gut. Mehrheitlich handelt es sich um Patienten/Innen, bei denen unter einer Dosis von 800 mg Imatinib (Glivec®) ein Fortschreiten des Tumorwachstums auftritt; seltener um Patienten, die 800 mg Imatinib oder eine geringe Dosis nicht tolerieren.

INFORM: Aus den ersten Studien mit SU 11248 kennen wir Nebenwirkungen, die auch unter der Imatinib-Therapie auftreten. Welche Nebenwirkungen sind unter Sunitinb neu? Wir hören z.B. immer mal wieder von Bluthochdruck…
Nebenwirkungen einer Imatinib-Dosis von 800 mg wie vermehrte Wassereinlagerung, Appetitlosigkeit, allgemeines Unwohlsein oder Muskelkrämpfe sind meinen ersten persönlichen Erfahrungen zufolge bei Sunitinib oft geringer ausgeprägt, so dass der Wechsel auf Sunitinib in der Regel gut toleriert wird. Übelkeit und Appetitlosigkeit scheinen meiner bisherigen Erfahrung nach nur gering ausgeprägt zu sein und lassen sich im Bedarf durch gut verträgliche Metoclopramid-Tropfen (oder ähnliche Medikamente) gut beeinflussen. Müdigkeit (Fatigue) scheint nicht nennenswert häufiger oder ausgeprägter zu sein als bei Imatinib. Wenn wir uns auf Nebenwirkungen konzentrieren, die gehäuft oder spezifisch bei Sunitinib auftreten, so ist dies zum einen Bluthochdruck, der während der 4-wöchigen Therapie auftreten kann und in dem 2-wöchigen behandlungsfreien Intervall wieder rückläufig ist. Bei zahlreichen Patienten ist dann eine zusätzliche medikamentöse Bluthochdruckbehandlung sinnvoll. Dabei sollte man aber bedenken, dass eine eher kurzfristige und geringe Erhöhung des Blutdrucks keine zusätzliche Gesundheits-gefährdung darstellt und oft schon eine Behandlung mit einem leichten harntreibenden Medikament (Diuretikum) ausreichend sein kann. Im Weiteren zu erwähnen sind Schleimhautveränderungen, die bei einigen Patienten auftreten und die sich an der Nase mit gelegentlich leichtem Nasenbluten und im Mund mit einem „wunden Gefühl“ bemerkbar machen. Eher selten, aber doch etwas unangenehmer, ist das so genannte Hand-Fuß-Syndrom, dass wir Onkologen in ähnlicher Form auch von anderen Tumormedikamenten kennen. Dies macht sich durch Veränderungen der Haut an Händen oder Füßen oder durch Missempfindungen bemerkbar, wie z.B. durch ein „Brennen“ in Händen oder Füßen. Dieses Hand-Fuß-Syndrom scheint durch eine Dosisverringerung von Sunitinib aber beeinflussbar zu sein.

INFORM: Wie managen Sie gemeinsam mit den Patienten diese neuen Nebenwirkungen? Zunächst einmal mussten wir gemeinsam – die Patienten und auch ich – erste Erfahrungen mit Sunitinib sammeln. Wie bereits erwähnt muss der Blutdruck – vor allem bei Patienten mit vorher bestehendem Bluthochdruck – überwacht und eventuell eine zusätzliche Bluthochdrucktherapie verordnet werden. Die Schleimhautprobleme sind mit allgemeinen Maßnahmen, z.B. einer guten Raumluftbefeuchtung (offene Fenster), Kamille- oder Salbei-Tee, Panthenol-Lutschtabletten und für die Nase mit Panthenol-Nasensalbe oder Nasenölen recht gut behandelbar. Oberbauchbeschwerden, die vielleicht Ausdruck einer Reizung von Magen-/Darmschleimhäuten sein können, sind – sofern sie gelegentlich auftreten, mit einem gut verträglichen Magensäure-„Blocker“, den viele bereits bei Imatinib einnehmen, meist rasch und wirkungsvoll zu behandeln. Hautveränderungen oder „Brennen“ in Händen oder Füßen treten meist erst in der 3. oder 4. Woche auf, so dass dann möglicherweise die Dosis im nächsten Behandlungszyklus verringert werden muss. INFORM: Nehmen Patienten im Rahmen der Studie auch psychoonkologische Betreuung in Anspruch? Mir ist - unter den bisher mit Sunitinib behandelten Patienten - niemand bekannt, der eine zusätzliche psychoonkologische Betreuung in Anspruch nimmt; wobei ich aktiv empfehle, auch diesbezüglich mit dem Lebenshaus in Kontakt zu stehen. Die an unserem Tumorzentrum tätige Psychologin kann eine kontinuierliche ambulante psychoonkologische Betreuung nicht sicherstellen, aber vielleicht zusätzliche diesbezügliche Hilfestellungen geben.

INFORM: Sunitinib wird ja in Zyklen in jedem Behandlungszyklus mit einer Pause von zwei Wochen gegeben. Stellt dies bisher für die Patienten ein Problem dar? Nein; ein Problem ist dies meistens nicht. Treten Nebenwirkungen in der 3. oder 4. Woche auf, sind wir gemeinsam froh, wenn eine Pause folgt. Andererseits aber gibt es einige Patienten, die klinisch bzw. subjektiv gut von Sunitinib profitieren und die klar und reproduzierbar berichten, dass die tumorbezogenen Probleme im behandlungsfreien Intervall wieder auftreten oder zunehmen und die daher gerne Sunitinib durchgehend einnehmen würden. Für diese Patienten sollte eine Lösung gefunden werden, die Sunitinib-Therapie der individuellen Tumordynamik besser anpassen zu können.

INFORM: Was sind für Sie die wichtigsten, erhofften Ergebnisse der Studien mit Sunitinib in den nächsten Monaten/Jahren? Würden Sie sich weitere Studien, wie z.B. die Kombination mit Imatinib, wünschen?
Zunächst einmal ist es großartig, dass es inzwischen Medikamente wie Sunitinib gibt, die bei Imatinib-Resistenz eine Chance bieten, den Tumorverlauf günstig und auch langfristig beeinflussen zu können. Für die Zukunft sehe ich eine maßgeschneiderte Therapie, die sich vor allem an den genetischen Veränderungen des Tumors ausrichtet. Für Sunitinib müssen wir noch weitere Spielarten der Dosierung und der Dosierungsintervalle finden, um individuell auf den Tumorverlauf reagieren zu können. Als ein Beispiel hatte ich die Situationen genannt, bei denen der Tumor im Intervall wieder aktiv zu werden scheint; ein anderes Beispiel sind diejenigen Patienten, bei denen ein Teil der Tumoren kleiner wird oder in der Größe stabil bleibt und andere Läsionen aber an Größe zunehmen. Hier ist zu klären, inwieweit eine Dosissteigerung oder eine durchgehende Therapie zu einem gleichmäßigen Ansprechen führen kann. Ferner sind Studien anzugehen, bei denen Sunitinib bei Patienten mit Wildtyp-kit oder Exon 9-Muationen bereits primär Sunitinib erhalten.

INFORM: Was möchten Sie gerne zum Abschluss dieses Interviews unseren betroffenen Lesern bzgl. der Sunitinib-Studie noch mitgeben?
Wichtig erscheint mir daran zu denken, dass auch bei Tumorprogression unter Imatinib oder bei Imatinib-Unverträglichkeit mit Sunitinib – und zukünftig mit weiteren Medikamenten (Mono- oder Kombinationstherapien mit Imatinib) – gute und berechtigte Chancen bestehen, mit einer akzeptablen Lebensqualität weiterleben zu können. Die rasche Fortentwicklung der medikamentösen Behandlung von GIST eröffnet mit jedem weiteren Medikament die Chance, hiervon erneut zu profitieren. In diesem Zusammenhang erscheint mir auch wichtig, dass eine enge Anbindung an spezialisierte GIST-Zentren gesucht werden sollte, um für jeden Patienten die im Einzelfall besten und aussichtsreichsten Behandlungsmöglichkeiten prüfen oder einleiten zu können. Diese werden in den kommenden Jahren vielfach innerhalb klinischer Studien zu finden sein.

Als abschließende Botschaft möchte ich allen Patienten/Innen für das Jahr 2006 meine besten Wünsche für eine erfolgreiche GIST-Behandlung zum Ausdruck bringen.

Ganz herzlichen Dank – sehr geehrter Herr Prof. Schütte für dieses Interview.


Aus dem INFORM 2 des Lebenshauses, Februar 2006

Sunitinib wurde auch von Prof. Dr.med. Serge Leyvraz im CHUV in Lausanne in Phase III klinisch geprüft. Schweizer GIST-Patienten mit Glivec-Resistenz können sich bei Prof. Leyvraz erkundigen.